Hauptseer Fasnacht in der Presse

2014

Neue Zuger Zeitung - Auf in die bunte Schlacht

MORGARTEN ⋅ Friedlicher, aber möglicherweise ebenso laut wie vor 700 Jahren, ging es am Samstag an historischer Stätte zu: Hauptsee feierte Fasnacht – «traditionell guet!».

In Morgarten ging es diesen Samstag vor dem grossen Denkmal fast genau so wild und laut zu und her, wie damals bei der grossen Schlacht im Jahr 1315. Die Fasnachtsgesellschaft Morgarten lud zum 64. Mal dazu ein, bei der traditionellen Hauptseer Fasnacht mit dabei zu sein und gemeinsam die von vielen Fasnächtlern als fünfte und schönste Jahreszeit gerühmte Fasnachtszeit zu geniessen und zu feiern. Unter dem Motto «traditionell guet!» waren gut 16 Nummern auf der Morgartenstrasse unterwegs, verteilten allerlei Essbares und erfreuten die Besucher mit guter, traditioneller Guggenmusik. Zu diesen verriet Vorstandsmitglied Andri Willi: «Alle Wagen, die man an unserem Umzug bestaunen kann, sind aus Morgarten selber!» Das Dorf strengt sich also schon lange im Voraus an, um jedes Jahr aufs neue einen unvergesslichen Umzug auf die Beine zu stellen.

Friedlicher, aber möglicherweise ebenso laut wie vor 700 Jahren, ging es am Samstag an historischer Stätte zu: Hauptsee feierte Fasnacht – «traditionell guet!».

Geschrei für Orangen

In Anlehnung an das Jahr der Schlacht beginnt der grosse Umzug schon seit Jahren immer um 13.15 Uhr. Danach gab es ein originelles Bühnenspiel beim Denkmal zu sehen. «Hier erzählen wir auch lustige Geschichten und Missgeschicke, die den Mitgliedern im Verlauf des letzten Jahres widerfahren sind. Es gibt also jedes Mal viel zu Lachen», meinte Andri Willi.

Weiter ging es mit der Kinderbescherung. «Ein Wagen mit 600 Säckli voller kleiner Überraschungen fährt jeweils mit dem Umzug mit, und diese werden am Schluss an die Kinder verteilt», fuhr Willi fort. Zum Schluss des Programms kam es noch zum traditionellen «Usrüere», bei welchem die Legoren den Kindern Orangen zuwerfen. «Um auch eine Orange zugeworfen zu bekommen, müssen die Kinder jedoch Einsatz geben und schreien.» Nach dem ganzen Programm traf man sich noch zu Tanz und Stimmung in den Restaurants Buechwäldli, Eierhals und Morgarten, um gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden zu feiern. Andri Willi schätzte die gesamte Besucherzahl auf rund 2000.

Von Indianern bis zum Bachelor

Die Wagen waren sehr einfallsreich, vielfältig und mit grosser Mühe gestaltet. Von den Morgartner Schülern, die als Bauarbeiter unter dem Motto «mier buued» durch die Strassen zogen, und von den Hauptseer Indianern bis zu Bachelor Vujo war alles mit dabei. «Wir haben uns ganz nach dem Motto auf Schweizer Traditionen wie Ovi, Fondue oder den Franken konzentriert», erklärte Andri Willi, und so erkannte man den zu ihm gehörenden Wagen auch gleich an der riesigen Fonduepfanne. «Fast alle Gruppen sind schon seit vielen Jahren jede Saison aufs Neue wieder dabei, nur die Aegeritüüfel sind dieses Jahr zum ersten Mal mit von der Partie.»

Köstliches für die Kinder

Die diesjährigen Ehrendamen der Morgartner Fasnacht hiessen Gabriela Grunder und Melanie Bieri. Gemeinsam mit ihnen feierten in alle erdenklichen Kostüme eingekleidete Kinder, deren Augen beim Anblick dieser vielen speziellen Figuren, die allerlei Köstliches verteilten, kaum zu glänzen aufhörten. Und auch für die schon etwas ältere Generation gab es ausreichend Grund zur Freude und Feststimmung. In den Restaurants wurde noch lange für gute Musik und köstliche Verpflegung gesorgt, bei der es sich stundenlang sitzen und plaudern liess.

2013

Neue Zuger Zeitung - Eine Fasnacht mit Leckerbissen

Die Hauptseer Fasnacht ist mehr als nur ein Umzug. Beim anschliessenden Bühnenspiel wird eine Aussicht ins rechte Licht gerückt.

Die Harmoniemusik im Schottenkaro marschiert vorneweg. Viele Fasnachtslustige säumen den Strassenrand in Morgarten – und ab und zu fährt sogar ein Bus vorbei. Der Wagen der Fasnachtsgesellschaft Morgarten macht dann das diesjährige Motto klar: «Schöne Aussicht Hauptsee» steht darauf – die «Hauptseer-Sicht» ist gefragt wie noch nie.

Doch zunächst einmal geben die Kleinen den Ton an: Zwerge ziehen vorbei. Und dann gibt sich ein Agent die Ehre – der Agent schlechthin. Ein Wagen feiert «50 Jahre James Bond», gefeuert wird mit Mandarinen. Eine unblutige Angelegenheit, nur die eine oder andere Mandarine, die im Schnee am Strassenrand landet, färbt diesen leicht orange. Als die Herren im schwarzen Anzug vorbei sind, sieht das Auge plötzlich Grün: Das können nur die Papageno aus Oberägeri sein, die ihre Instrumente nicht zum Krächzen, sondern zum flotten Klingen bringen. Die Papageno noch im Ohr, kündigt sich ein weiteres Jubiläum an. Dieses Mal nicht das eines Top-Agenten, sondern das eines Top-Insekts. Die Biene Maja wird 100! Ein kleiner Grashüpfer verkündet dieses stolz auf einem Schild, während Karel Gotts unvergessene Hymne auf das freche Bienchen über die Strasse und wohl bis weit über den See tönt: «Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Maja ...» Passend dazu werden kleine Bienchen im Leiterwagen gezogen, und grosse Bienen verteilen Süsses und Blütenstaub aus ihren Honigkörben. Da findet sich so mancher Schaulustige in einem Kleid aus gelben Konfetti wieder.

 

2012

Neue Zuger Zeitung An dieser Fasnacht harzt es herzlich

 

Ein Glockenspiel, die Seeufergestaltung und die Finanzkrise – am Umzug in Morgarten wurde Internationales, aber auch Regionales witzig aufgegriffen.

Die Saison der Umzüge wird in Oberägeri traditionsgemäss von Morgarten mit der Hauptseer Fasnacht eröffnet. Am vergangenen Samstag war es wieder so weit. Höhepunkt dieser Festivitäten ist jeweils der Umzug, der in diesem Jahr unter dem Motto «Äs harzt» stand, und die Wagenbauer der verschiedenen Gruppen thematisierten vortrefflich das eine oder andere Thema, wo es tatsächlich etwas harzt.

Die Seeuferbestattung

Die Wagengruppe Haselmatt knöpft sich die Abstimmungsschlacht über das Seeufer vor. Die Nummer heisst «See­ufer-Kätsch», und der Wagen ist überschrieben mit «Seeuferbestattung». Dass das Projekt in den Augen vieler nicht nur zu teuer («11 Millionen Franken sind zu viel», heisst es auf dem Wagen), sondern auch in gestalterischer Hinsicht etwas suboptimal ausfiel, kommt in einer Brücke zum Ausdruck, die so steil ist, dass ein Kinderwagen mit Seilen gesichert hinaufgezogen werden muss.

«Für die einen eine Qual»

Ein anderes grosses Thema im Dorf ist ein kleines Glockenspiel im Gebiet Hagen, das nach dem Willen eines Neuzuzügers hätte zum Verstummen gebracht werden sollen. Die Wagengruppe Fistern nimmt sich des Themas an. «Die Hagen ist international, die Glöcklein sind für die einen

eine Qual», heisst es auf dem Wagen treffend. Legorendädi Raphael Isabel nahm die Sache im Bühnenspiel auf und reimte, umrahmt von den beiden Ehrendamen Rebecca Hotz und Andrea Henggeler: «Dass mer überhaupt wege es paar gestörte Nüzue­zügler so öppis muess diskutiere, isch truurig, aber wahr, das Hageglöggli sell witerhin glöggele, seb isch amel glaubs wohl allne klar.»

Morgarten AAA plus

Die Wagengruppe Neuhof nimmt die Finanzkrise zum Sujet. Ein grosses Fünffrankenstück, das dreht, weist auf die Frankenstärke hin. Ein «Börsenschmöcker» gibt seine Weisheiten preis, und dann ist da noch das lokale Rating von Moody’s: Morgarten AAA plus mit einem positiven Ausblick, Oberägeri AAA, Sattel BBB+ stabil, Unterägeri BBB+ stabil, Rothenthurm B– mit negativem Ausblick, Alosen ZZ mit negativem Ausblick.

Promis und koksende Damen

Der temporäre Umzug des Betagtenzentrums Breiten nach Menzingen ist für die Frauengruppe das Thema. Krankenschwestern unterschiedlichen Alters und ältere Herrschaften, die ihre Koffer selbst schleppen, sind zu sehen, der Bürgerratspräsident nicht zu übersehen. «I de Breite muss ich schnell ä Umbau leite», heisst es da. Glamouröser geht es auf dem Wagen der Gadälos zu und her. Die Feier zum 100-jährigen Bestehen der «Schweizer Illustrierten» ist das Sujet. Promis und koksende Damen amüsieren sich auf dem Wagen.

Musikalisch umrahmt wird der Umzug von der farbenfrohen Harmoniemusik mit Direktor Ivo Huonder an der Spitze. Für Stimmung sorgen auch die Guuggenmusigen F’Ägerer und die Lauitobelband Sattel, die Badjöggel aus Unterägeri sowie die Sattler Hudi.

Maskentreiben geht weiter

Nach Umzug, Bühnenspiel und Bescherung geht das Maskentreiben in den Restaurants weiter. Der Vorstand und Teilnehmer des Umzugs kommen zum «Usrüehre»: Kinder sind gehalten, unter «Mier liebe Legor» zu rufen – und werden dafür beschenkt. Geharzt hat es dabei auch in diesem Jahr ganz und gar nicht.

2011

Neue Zuger Zeitung - Durchbruch am Haupt des Sees

Die 61. Hauptseer Fasnacht stand unter dem Motto Durchbruch. Und genau so wurde sie eröffnet.

Noch ein Grounding - diesmal aus vulkanischen Gründen.(Christof Borner-Keller)

Am Haupt des Ägerisees, eben in Hauptsee oder Morgarten, findet jeweils der erste Fasnachtsumzug auf dem Gemeindegebiet Oberägeris statt. Am Samstag war es wieder so weit, und die Hauptseer zeigten ihr Talent als Wagenbauer und Reimer, später in den Restaurants bis in die frühen Morgenstunden auch als fröhliches und festfreudiges Völklein.

Durchgeknallt

Am Umzug und während des Bühnenspiels wurden verschiedene Themen auf originelle Art und Weise thematisiert. Eine riesige Bohrmaschine machte den Anfang. Die Frauengruppe nahm sich des Themas «Protest gegen das Geiselklöpfen in Unterägeri» an – unter dem viel sagenden Titel «Durchgeknallt» (Wagenchef: Evi Schuler). Aufwendig gemacht war auch die «Schwingerparty Frauenfeld» der Wagenbauergruppe Haselmatt (Andreas Rogenmoser). Die gruseligen Rossbärg-Häxe sorgten dafür, dass die Kinder nicht übermütig wurden (Dani Amsteg). Die Wagengruppe Neuhof thematisierte den Atomgüseltransport (Daniel Staub). Die Hinterseer nahmen sich der Hochzeit von Victoria und Daniel an (Thomas Röllin). Die Wagenbaugruppe Fistern setzte das Thema Vulkanausbruch in Island aufwendig um (Hermann Wenger).

Die Entsorgung von Atomabfällen beschäftigt auch am Hauptseer Fasnachtsumzu

Musikalisch begleitet und umrahmt wurde der Hauptseer Umzug durch die Harmoniemusik Oberägeri im originellen Tiger-Ethnolook. Die einheimische Guggenmusig Papageno und die Höllochpfupfer aus dem Muotathal sorgten für den notwendigen Fasnachtssound, die Tiroler verkörperten das traditionelle Oberägerer Brauchtum.

Lobende Worte

Den Zuschauern gefiels. Ueli Iten aus Oberägeri verfolgte den Umzug mit seiner Tochter Noëlle im Kinderwagen und amüsierte sich bestens. «Am Umzug fand ich die Nummer über die Hochzeit aus Schweden originell umgesetzt – obwohl die Prinzessin ganz offensichtlich ein Prinz war.» Annemarie Rogenmoser, begeisterte Fasnächtlerin aus Alosen, ist ebenfalls des Lobes voll über die Fasnacht am Haupt des Sees. «Die Wagen waren sehr aufwendig gestaltet. Die Tiroler sind immer eine besondere Freude.» Albert Müller aus Morgarten äusserte sich lobend über die Piratengruppe der Schule Morgarten, wo Kinder der Familie Müller mitmachten. «Das Thema Atommüll wurde ebenfalls sehr originell umgesetzt.»

Sehr zufrieden mit dem Verlauf der Fasnacht ist auch das neue Oberhaupt der Fasnacht Morgarten, der Hauptseer Legorendädi Raphael Isabel. «Trotz des guten Wetters, das viele Möglichkeiten bot, hatten wir sehr viele Leute am Umzug.» Er bezeichnete die Stimmung als «sehr gut» und freute sich besonders, dass trotz der Ferien so viele Kinder am Umzug partizipierten.

 

2010

 

2009

Neue Zuger Zeitung - Ungebremster Fasnachtspass im kleinen Dorf

OBERÄGERI Am Samstag Nachmittag hat in Morgarten der 59. Hauptseer Fasnachtsumzug stattgefunden. Das diesjährige Motto lautet: «Hauptseeturbinä».

Am Strassenrand steht ein Indianer mit rot geschminktem Gesicht und grossem Federschmuck direkt neben zwei hüpfenden Prinzessinnen in glitzernden Kleidern. Einige Meter davon entfernt rennt ein Cowboy mit aufgemaltem Schnurrbart und gezückter Pistole hinter Spiderman her, um ihm die Konfettiattacke heimzuzahlen.

 «Wir wollen zeigen, dass es nach schwierigen Zeiten wieder aufwärts geht», sagt Martha Röllin, Mitglied des Legorenrats. Denn obwohl die wirtschaftliche Situation im Moment kritisch sei, solle man nicht alles negativ sehen, insbesondere zur Fasnachtszeit. Schliesslich sei es speziell, dass ein so kleines Dorf wie Morgarten jedes Jahr einen eigenen Umzug zu Stande bringe.

«Uns hat das Fieber gepackt, und wir gehen immer wieder von neuem ungebremst darauf los», sagt Röllin mit einem breiten Grinsen. Trotz der Vorfreude sei sie jedes Mal gespannt, ob beim Umzug alles funktionieren werde.

Hexen und Piraten
Die Aufregung ist auch bei den Zuschauern spürbar. «Wann geht es endlich los?», fragt ein Kind ungeduldig, während andere noch mit ihrem Kostüm zu kämpfen haben: «Mami, ich kann nichts sehen», reklamiert ein grüner Drache. Dann ertönt ein Knall, und die Wagen setzen sich langsam in Bewegung. Den Anfang macht die Harmoniemusik aus Oberägeri, gefolgt vom Komiteewagen.

Bekleidet mit Zylinder und glänzenden violetten Jacketts werfen die Legoren Orangen in die Menge. «Zauberhut und Drachenblut» lautet das Motto der Schüler aus Morgarten. Die Hexen und Zauberer sehen mit ihren grossen Hüten und Nasen ziemlich Furcht einflössend aus. Angst und Schrecken verbreitet auch die Gruppe Nüühof, als «Piratä vom Hauptsee» laden sie ihre Kanonen mit Konfetti und vernebeln dem Publikum die Sicht.

Hilfe für jedermann bietet die Gruppe Haselmatt. Denn auf ihrem Wagen befindet sich das Kantonsspital Baar, inklusive Krankenbett, Notfallstation und Rettungshelikopter auf dem Dach. Für das Restaurant Schmidte in Alosen kommt jede Rettung zu spät. Deshalb beerdigen die «Hinterseer plus» während des Umzugs den «Schmidte-Stammtisch».

Miriam Scherer